DFG-Projekt Verzeichnis der deutschsprachigen Liedflugschriften digital (VD Lied)


Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und das Deutsche Volksliedarchiv – Forschungseinrichtung des Landes Baden-Württemberg zu populärer Kultur und Musik (Freiburg i.Br.) werden bis 2015 ihre herausragenden Sammlungen deutschsprachiger Liedflugschriften des 16. bis 20. Jahrhunderts inhaltlich erschließen, digitalisieren und im Internet präsentieren. Als Kooperationspartner beteiligt ist darüber hinaus das Österreichische Volksliedwerk Wien (eine Sondersammlung der Österreichischen Nationalbibliothek), das die Daten der dort bereits erschlossenen und digitalisierten Liedflugschriften dem Projekt zur Verfügung stellt. Damit umfasst das neu entstehende „Verzeichnis der deutschsprachigen Liedflugschriften digital“ künftig über 15.000 Flugschriften, die ca. 33.000 Lieder enthalten. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Kooperationsprojekt seit 2013.

Bei Liedflugschriften handelt es sich um nichtperiodische, ungebundene Drucke mit geringem Umfang, die sich an eine unbestimmte Öffentlichkeit wenden und in der Regel kommerziell hergestellt und vertrieben werden. Liedflugschriften gehören ebenso wie Liedflugblätter zur Gattung der populären Kleindrucke, die der Massenkommunikation dienen. Diese Drucke enthalten meist nicht nur ein sondern zwei oder mehr Lieder, zuweilen sind Noten, Illustrationen oder graphische Schmuckelemente (Vignetten, Zierleisten) sowie Prosa-Elemente beigefügt.

Die herausragenden Liedflugschriften-Sammlungen in Berlin, Freiburg und Wien lassen sich aufgrund ihrer komplementären chronologischen und regionalen Schwerpunkte zu einem virtuellen Gesamtbestand von nationalbibliothekarischem Rang zusammenführen. Damit werden diese historisch und kulturell bedeutsamen, aber bislang schwer zugänglichen Quellen in einem zentralen „Verzeichnis der deutschsprachigen Liedflugschriften“ als single access point für die Forschung erfasst und digital präsentiert, so dass die jahrhundertbezogenen Verzeichnisse der deutschsprachigen Drucke (VD 16, VD 17, VD 18) um ein medienspezifisches VD ergänzt werden. Um die von der Forschung benötigten inhaltsbezogenen Rechercheeinstiege zu ermöglichen, fokussiert die Erschließung auf die in den Liedflugschriften enthaltenen Lieder und reicht damit über die bibliothekarischen Standards hinaus.

In Zusammenarbeit mit der Verbundzentrale des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes (GBV) wird für die Projektdaten eine zentrale Datenbank VD Lied eingerichtet, um durch die Zusammenführung der gesamten Projektdaten einen möglichst detaillierten, auf das Medium der Liedflugschrift speziell abgestimmten Zugang für die Forschung zu schaffen.

Mehr Info: www.vd-lied.de

Michaela Scheibe
Abteilung Historische Drucke
Wissenschaftliche Referentin
Staatsbibliothek zu Berlin
Unter den Linden 8
10117 Berlin

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Onlinedatenbank zu den Werken Ludwig Senfls


Ludwig Senfl (um 1490–1543) war der im deutschsprachigen Raum führende Komponist in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Er wurde als Chorknabe in die Hofkapelle Kaiser Maximilians I. aufgenommen und von Heinrich Isaacs auch als Komponist ausgebildet. Nachdem die Hofkapelle nach dem Tod Maximilians aufgelöst wurde (1520), fand Senfl als Hofkomponist am Münchner Hof Wilhelms IV. seine Lebensstellung (1523–1543).

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Unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes wird von Dr. Stefan Gasch und Mag. Sonja Tröster an der Universität Wien seit 2008 ein detailliertes Werkverzeichnis der Kompositionen dieses Renaissancekomponisten erarbeitet. Die Basisinformationen des vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) geförderten Projekts sind seit Kurzem über eine Onlinedatenbank (www.senflonline.com) recherchierbar und umfassen das gesamte kompositorische Schaffen Senfls: Details zu ca. 250 mehrstimmigen Liedern, 140 Motetten, über 90 Proprienzyklen, über 40 lateinischen Oden, einem Zyklus von acht Magnificatvertonungen, und sechs ihm sicher zuzuweisenden Messen werden ebenso zur Verfügung gestellt wie Informationen zur Person Ludwig Senfls, eine Liste der wichtigsten Forschungsliteratur und aktuelle Ankündigungen zu Publikationen und Veranstaltungen.
Das Online-Werkverzeichnis kann u.a. nach dem Titel eines Werks, dessen liturgischer Verwendung, nach verschiedenen Gattungen oder auch nach den in einer bestimmten Quelle enthaltenen Kompositionen durchsucht werden. Die Aufnahme von Senfls Proprienzyklen erforderte dabei eine besondere Behandlung. So wurden die einzelnen Proprienteile (Introitus, Alleluia, Tractus, Sequenz, …) zwar als einzelne Einträge aufgenommen, können aber über ihre liturgische Funktion als Zyklen angezeigt werden, die dem Kirchenjahr folgend gereiht sind. Die einzelnen Datensätze bieten dem Benutzer neben Informationen zu Text und Stimmenzahl auch Angaben zu einem verwendeten Cantus firmus und schließlich ein Notenincipit in Mensuralnotation. Es folgt eine Auflistung sämtlicher Quellen, in denen das Stück überliefert ist, mit externen Verlinkungen zu Quellenverzeichnissen (wie RISM online und DIAMM) und – sofern verfügbar – im Netz bereitgestellten Digitalisaten der jeweiligen Quelle. Darüber hinaus liefert der jeweilige Werk-Eintrag Informationen zu Editionen und verwandten Kompositionen.

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Bei der Online-Datenbank handelt es sich um ein „work-in-progress“. Aus diesem Grund sind derzeit noch nicht alle Einträge mit einer Katalognummer versehen. Die Daten werden jedoch laufend ergänzt und auch nach der Drucklegung des Werkverzeichnisses mit allen Detaileinträgen (Ende 2014) weitergeführt.

Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Birgit Lodes
Ludwig Senfl – Verzeichnis sämtlicher Werke und Quellen
Universität Wien
Institut für Musikwissenschaft
Spitalgasse 2–4, Campus AAKH Hof 9
A-1090 Wien

Mail:
stefan.gasch [at] univie.ac.at
sonja.troester [at] univie.ac.at

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Audiosammlung der ViFaMusik


Live oder auf Abruf – per Streaming, Podcast oder Download. Die Welt der Audiodateien hat Einzug genommen in die ViFaMusik. In der neuen Audiosammlung finden Nutzer zahlreiche externe Links vor, die auf hochwertige Inhalte von Universitäten, Archiven oder privaten Initiativen verweisen. Dabei wird nicht nur wie gewohnt die klassische Musik berücksichtigt, Nutzer können nun auch innovative und moderne Elemente in der ViFaMusik finden und hören. Die gesammelten Klangerlebnisse von Beethoven bis Jazz sind wohlsortiert in Kategorien gefasst. Ähnlich wie in den Digitalen Sammlungen der ViFaMusik gibt es  verschiedene Auswahlbereiche, die einen ersten Überblick vermitteln. Der Schwerpunkt liegt bei hörbaren Musikaufnahmen, die man über das Netz abrufen kann – Unterpunkt „Tondokumente und Podcasts“. Da neben hörbarer Musik zahlreiche ebenso interessante Fachgebiete zum Thema Audio ihre Berechtigung haben, entstanden weitere Unterpunkte. Die Rubrik „Datenbanken und Archive“ enthält Verlinkungen zu Audioverzeichnissen, Audioarchiven und Audiodatenbanken. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem Hinweis auf die Existenz dieser Quellen und deren Örtlichkeit, da Nutzer sie weitgehend nicht über das Netz hören können. Ein Besuch vor Ort lässt die Hörbarkeit oftmals wahr machen. Geschichte und Hintergrund zu Hörquellen findet sich im Unterpunkt „Dokumentationen“. Nicht in Musik gefasste Hörquellen, die sich dennoch mit Musik befassen, befinden sich im Bereich „Sprachaudios“. Hier gibt es Gesprächsaufnahmen zum Thema Musik oder Verweise auf Phonogramm-Archive. In der Rubrik „App“ findet man Empfehlungen rund zum Thema Apps, die sicherlich noch erweiterbar ist. Der klassische Anbieter des Hörens ist das Radio und findet insofern Platz in der Audiosammlung als viele Radioanstalten nicht mehr nur live senden, sondern dauerhaft Teile ihrer gesendeten Programme auf Abruf zur Verfügung stellen. Der Punkt „Film“ verbirgt Links zu Filmen mit musikalischen Darbietungen oder Themen. Die Liveübertragung von Opernaufführungen findet mehr und mehr Anhänger, ob im Kino oder vor dem eigenen Rechner. Eine Auswahl von Opernhäusern, die dies möglich machen ist in der Rubrik „Streaming“ zu finden. Außergewöhnliche Klangkunst, Geräuschprodukte oder Audiofetzen sind im Punkt „Experimentelles“ untergebracht und runden das Angebot mit einer ausgefallenen Note ab.

Startseite_audioInnerhalb der einzelnen Rubriken gibt es Auflistungen der Quellen mit externer Verlinkung oder weitere Unterteilungen in Rubriken. Diese können per Ankerlink angesteuert werden. Mittels Eigenrecherche findet der Nutzer ein Sammelsurium an hochwertigen Quellen.

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Das Besondere sind nicht nur die gesammelten Klangerlebnisse verschiedener Genres aus Archiven, Bibliotheken oder anderen qualitativen Quellen, sondern auch die Vielfalt der länderübergreifenden Herkunft und deren jeweilige Spezialgebiete. Damit leistet die ViFaMusik einen weiteren Beitrag zur Internationalisierung der Musikplattform.

Katrin Braun, Gesellschaft für Musikforschung

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Zugriffsstatistiken für ViFaMusik-Blog


Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2013 an.

Hier ist ein Auszug:

Eine Cable Car in San Francisco fasst 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 2.500 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 42 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

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Ausschreibung – Internationaler Händel-Forschungspreis 2014


Die Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft vergibt 2014 einen Internationalen Händel-Forschungs­preis an eine junge Wissenschaftlerin oder einen jungen Wissenschaftler, die bzw. der durch hervorragende Forschungen zu Leben und Werk Georg Friedrich Händels hervorgetreten und die Ergebnisse in einer Forschungsarbeit dokumentiert hat. Auch Forschungsteams können ausgezeich­net werden.

Der Händel-Forschungspreis wird gefördert durch die Stiftung der Saalesparkasse.

Der Preis ist mit 2.000,00 € dotiert und mit einem Vortrag der Preisträgerin bzw. des Preisträgers auf der wissenschaftlichen Konferenz anlässlich der Händel-Festspiele in Halle verbunden.

Bewerben können sich Absolventinnen und Absolventen der Musikwissenschaft oder verwandter Fachrichtungen mit ihrer zwischen 2012 und 2014 abgeschlossenen Master-, Magister- oder Doktorarbeit sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit äquivalenten Forschungs­arbeiten. Auch exzellente historisch-kritische Editionen können Gegenstand des Preises sein.

Die Bewerbung für den Händel-Forschungspreis erfolgt mit einem Antrag an die

Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft e.V.
Internationale Vereinigung
Geschäftsstelle
Große Nikolaistraße 5
D-06108 Halle (Saale)

Einsendeschluss ist der 10. April 2014 (Poststempel).

Dem formlosen Antrag ist die wissenschaftliche Arbeit (als Ausdruck und in elektronischer Form) sowie als Anlage ein kurzer Lebenslauf einschließlich der Darstellung des wissenschaftlichen Werdegangs beizufügen.

Eine von der Stiftung der Saalesparkasse und der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft berufene Jury wählt die Preisträgerin oder den Preisträger aus.

Die Ausschreibung wird auf den Internetseiten der Stiftung der Saalesparkasse und der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft sowie an musikwissenschaftlichen Instituten von Universitäten im In- und Ausland veröffentlicht.

Die Verleihung des Händel-Forschungspreises erfolgt anlässlich der Händel-Festspiele im Rahmen der wissenschaftlichen Konferenz.

Halle (Saale), den 26.09.2013

gez. Friedrich Stumpf, Vorstandsvorsitzender der Stiftung der Saalesparkasse

gez. Prof. Dr. Wolfgang Hirschmann, Präsident der Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft e. V., Internationale Vereinigung

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Libretto-Portal – Libretti der BSB und anderer Institutionen mit eigener Internetplattform


Von 2010 bis Anfang 2013 wurden in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützten Projekt rund 5.600 Textbücher zu Opern, Oratorien und Balletten aus der sog. Sammlung Her, eine der bedeutendsten geschlossenen Librettosammlungen weltweit, an der Bayerischen Staatsbibliothek erschlossen und digitalisiert. Damit ging ein lang ersehnter Wunsch – nicht nur der Fachwelt – in Erfüllung.

Ende Juli konnte nun der letzte Projektabschnitt der Öffentlichkeit übergeben werden – die erste Vorstellung fand anlässlich der internationalen IAML-Tagung Anfang August 2013 in Wien statt. Das Libretto-Portal der BSB ist nicht nur eine eigenständige Präsentation des Bestandes (der im übrigen von Projektbeginn an laufend im BSB-Katalog sichtbar war), sondern bietet darüber hinaus eine technisch auf dem neuesten Stand stehende Plattform, um weitere Bestände inkl. digitaler Bilder zu integrieren. Unter der URL http://libretti.digitale-sammlungen.de/ werden nicht nur Metadaten und digitale Faksimiles der Slg. Her gezeigt, als weitere Sammlung (v.a. italienischer Opernlibretti) wurde bereits die Librettosammlung der Musikabteilung des Deutschen Historischen Instituts (DHI) in Rom hinzugefügt. Diese Sammlung wurde in einem eigenen DFG-Projekt in Kooperation mit der BSB digitalisiert und katalogisiert.

Abb_Startseite Librettoportal

Abb.: Startseite Librettoportal

Im Rahmen des Libretto-Projekts an der BSB wurde auf bewährte Abläufe in der Katalogisierung und Digitalisierung zurückgegriffen, die man entsprechend anpasste und weiterentwickelte. Als Projektergebnis kann man letztlich viele Best-Practice-Verfahren rund um die Digitalisierung und Erschließung von Libretto-Beständen benennen. Die Digitalisierung der Slg.Her wurde zum größten Teil von der Fa. Induprint übernommen, ein Teil wurde aus Gründen der Bestandserhaltung im hauseigenen Digitalisierungszentrum gescannt.

Das Libretto-Portal bietet vielfältige Recherchemöglichkeiten. Neben einer einfachen gibt es eine erweiterte Suche (Komponist/Librettist, Titel, Verlag, Verlagsort, Signatur, Erscheinungsjahr bzw. Erscheinungszeiträume). Über die freie Suche sind darüber hinaus Informationen aus der Tiefenerschließung der Slg. Her, z.B. Rollen, Mitwirkende Personen, Referenzliteratur etc.).

Zudem können Librettisten/Komponisten (und die zugehörigen Libretti) auch über einen Browsing-Einstieg gefunden werden. Dank der Verwendung von Suchmaschinentechnologie können die Treffer anschließend via Filterung noch verfeinert werden. Gefiltert werden kann nach Bestand, Komponisten/Librettisten, Erscheinungsjahr, Erscheinungsort, Sprache sowie nach Aufführungsort, Aufführungsjahr und Genre (z.B. nur Singspiele oder Ballette). Direkt von der Trefferliste aus kann man in die digitale Form des jeweiligen Libretto springen, oder sich auch gleich das Libretto als PDF herunterladen.

Der Einzeltreffer bietet dann alle vorhandenen Informationen, insbesondere auch die der Tiefenerschließung der Sammlung Her-Libretti (bei ca. 4.000 Libretti vorhanden). Uraufführungsdaten, Aufführungsdaten, Rollen, Interpreten, Szenerie, Reklame, Preise sowie Referenzliteratur wurden bei der erweiterten Katalogisierung angegeben. Gleichzeitig sieht der Nutzer bereits das digitalisierte Libretto und kann darin blättern. Mit einem Klick kann man sich schnell „ähnliche Libretti“ aus dem Bestand auf den Bildschirm holen – die Suche nach Neuvertonungen bzw. ähnlichen Stoffen verkürzt sich damit erheblich.

Abb_Einzeltreffer Librettoportal

Abb. Einzeltreffer Librettoportal

Das Librettoportal ist auf Zuwachs angelegt. Es ist daher geplant, mit Hilfe einer weiteren Förderung mehrere nationale und internationale digitalisierte Libretto-Sammlungen einzugliedern, nicht zuletzt auch weitere BSB-eigene Libretto-Bestände aus der Signaturengruppe L.eleg.m., die bereits im Rahmen des Google-Projekts digitalisiert wurden. Natürlich gibt es auch interne Weiterentwicklungsmöglichkeiten. So werden aktuell noch nicht die erschlossenen exemplarspezifischen Angaben (z.B. Streichungen, handschriftliche Zusätze von Interpretennamen) angezeigt. Insgesamt liegt aber jetzt schon ein wegweisendes neues Rechercheinstrument für die Librettoforschung sowie für das interessierte Publikum vor, das bereits in der Virtuellen Fachbibliothek Musikwissenschaft (ViFa Musik) (http://www.vifamusik.de/digitale-bibliothek/libretti.html) verankert ist.

Franz Götz, Bayerische Staatsbibliothek, Abteilung BA/ES


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Langzeitarchivierung von Internetressourcen


Langzeitarchivierung von Internetressourcen – Webarchiv als neues wissenschaftliches Forschungsinstrument

2010 hat die Webarchivierung in der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) mit einem hauseigenen Pilotprojekt begonnen. Die Langzeitarchivierung von Webseiten ermöglicht den unbeschränkten Zugang zu wissenschaftlichen Inhalten, die bereits aus dem aktuellen Web verschwunden sind oder nun in einer neuen, veränderten Form präsentiert werden. Entfernte Webseiten und einzelne Webseiteninhalte können damit jederzeit wieder mittels einer persistenten URL aufgerufen werden.

Als Forschungsinstrument sind Webarchive in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Dabei könnten Webarchive aber zukunftsweisend für die wissenschaftliche Forschung sein, denn Webausschnitte werden hier in bestimmten zeitlichen Intervallen archiviert und können damit im direkten Vergleich der zeitlichen Ausschnitte einer Webseite Entwicklungen von wissenschaftlichen Diskursen besser nachzeichnen als andere Medien.

Workflow:

Seit dem 1. Januar 2013 läuft an der Bayerischen Staatsbibliothek ein DFG-Projekt zur Langzeitarchivierung von Webseiten, deren Erschließung ein Teilbereich der insgesamt fünf Virtuellen Fachbibliotheken (ViFas) der BSB ist. Allein in der Internetressourcendatenbank der ViFaMusik sind aktuell knapp 3000  Internetressourcen erfasst; davon wurden Anfang dieses Jahres zunächst 500 Webseiten für die Langzeitarchivierung händisch ausgewählt. Die Auswahl unterlag dabei bestimmten formalen Richtlinien und inhaltlichen Qualitätskriterien; ausgeschlossen sind deshalb u. a. einzelne PDF-Dokumente, Datenbanken oder Bibliothekskataloge; diese Kriterien sind so umgekehrt auch für die Internetressourcenerschließung zu berücksichtigen. Der Workflow gestaltet sich noch als recht aufwändig: Zur Archivierung der ausgewählten Webseiten muss vorab eine Genehmigungsanfrage an die Betreiber/Urheber der jeweiligen Webseite geschickt werden. Der positive Rücklauf auf die Genehmigungsanfragen liegt derzeit erfreulicher Weise bei etwa 20-30 %. Nach eingeholter Genehmigung erfolgt die Archivierung der Ressource, wobei jede archivierte Webseite eine eigene Archiv-URL enthält. Für den gesamten Workflow wird das Web Curator Tool (WCT) eingesetzt, eine open source Software, die von der British Library und der National Library in Neuseeland entwickelt wurde, sowie Heritrix, ein im WCT integrierter Crawler zur Archivierung der Websites.

Anwendung:

Die archivierten Webseiten sind für den Nutzer der ViFaMusik frei zugänglich. Bei bereits archivierten Ressourcen zeigt die Datenbank neben dem Link zur realen (aktuellen) Webseite auch die Archiv- URL an:

Abbildung_1

Der Klick auf die Archiv-URL führt zu einer chronologischen Übersicht aller archivierten „captures“ (Zeitschnitte). Eine Webseite wird alle 6 Monate archiviert.

Abbildung_2

Von hier aus gelangt man direkt zu den einzelnen archivierten Webseiten.

Auch im Bibliothekskatalog der BSB München (BSB-OPAC) werden die archivierten Webseiten erfasst. Dafür muss bei der erweiterten Suchmaske die Medienart „Online-Ressource“ ausgewählt werden.

Abbildung_3

Bislang konnten bereits etwa 130 Webseiten nach eingeholter Genehmigung archiviert werden. Zudem finden sich in der Datenbank auch noch diejenigen Internetressourcen, die im Zuge der genannten Pilotphase archiviert wurden. Ein Beispiel dafür ist die Webseite des Musikinformationszentrums (MIZ), zu der mittlerweile eine Sammlung von sieben verschiedenen Archivierungsausschnitten vorliegt. Der Zugang zur aktuellen Adresse lautet: www.miz.org. Die Maske mit der Übersicht der einzelnen Archivausschnitte ist über die Adresse

http://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/content-aggregator/getIEs?system=BVB01&id=BV037422167

erreichbar. Ein weiteres Beispiel ist die Webseite des Digital Image Archiv of Medieval Music (DIAMM): www.diamm.ac.uk. Die einzelnen Archivausschnitte sind über http://langzeitarchivierung.bib-bvb.de/content-aggregator/getIEs?system=BVB01&id=BV039803263

einsehbar.

Aussichten:

Nach erfolgreicher Durchführung der Langzeitarchivierung der ersten ausgewählten Webseiten wird nach und nach die Archivierung aller Internetressourcen aus der ViFaMusik-Datenbank folgen, die den Kriterien der Langzeitarchivierung entsprechen. Der Workflow in der BSB soll dabei zunehmend automatisiert werden. Kernaufgabe des laufenden DFG-Projekts ist die Entwicklung eines Konzepts für ein Servicemodell, mit dem die an der BSB bereits aufgebaute Infrastruktur ausgebaut und von anderen Institutionen nachgenutzt werden kann, sodass die Archivierung wissenschaftlicher Webseiten nicht nur wie bislang eine Ausnahme vereinzelten Institutionen bleibt, sondern flächenübergreifend der Wissenschaft ein wichtiges und frei zugängliches Instrument zur Hand geben kann.

Marion Beyer

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