Download-Möglichkeit beim Handwörterbuch der musikalischen Terminologie


Das Handwörterbuch der musikalischen Terminologie (HmT) wird seit Frühjahr 2013 über die ViFaMusik online und kostenfrei bereitgestellt. Bisher konnten die HmT-Digitalisate nur nach einer entsprechenden Suchanfrage bei der ViFaMusik-Suche aufgerufen werden.

HmT_Titelseite

Im letzten Jahr hat die Hochschule für Musik und Theater Leipzig die HmT-Metadaten in ihren Katalog eingebunden und bietet eine Browsing-Möglichkeit durch alle HmT-Artikel an.

Seit Juli 2015 gibt es nun auch eine Download-Möglichlichkeit für die HmT-Artikel. Über eine neue digitale Sammlung des Münchener Digitalisierungszentrums können HmT-Artikel für den privaten und wissenschaftlichen Gebrauch im PDF-Format heruntergeladen und auch ausgedruckt werden.

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Werkverträge über das Verfassen von Zusammenfassungen für BMS und RILM


Das in Berlin ansässige Staatliche Institut für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz sucht StudentInnen der Musikwissenschaft für folgenden Werkvertrag:

Gegenstand des Werkvertrags ist die Erstellung von Zusammenfassungen für musikwissenschaftliche Monographien und Aufsätze. Die Zusammenfassungen werden
Bestandteil der Bibliographie des Musikschrifttums (BMS) <www.musikbibliographie.de> und als solche der Zentralredaktion des Internationalen Repertoriums der Musikliteratur (RILM) zur Verfügung gestellt. Die Zusammenfassungen sind eine kurze und kompakte Übersicht über die Inhalte, die Thesen, die Kernfragen, die Argumente und die wichtigsten Ergebnisse der Aufsätze und Monographien. Sie sollen der schnelleren Erfassung des Inhalts dienen und eine zielsichere Auswahl relevanter Beiträge unterstützen.

Inhalt und Umfang der Leistung: Die von den Werkvertragspartnerinnen bzw. -partnern  zu erbringenden Leistungen umfassen

  1. die Beschaffung der entsprechenden Literatur
  2. die Erstellung der Zusammenfassungen in deutscher Sprache nach den Kriterien der BMSRedaktion,
  3. die Bereitstellung der Zusammenfassungen in Form eines elektronischen
    Textdokumentes per E-Mail.

Voraussetzungen: Die Werkvertragspartnerinnen bzw. -partner müssen zu Vertragsbeginn wenigstens drei Semester Musikwissenschaft studiert haben, die deutsche Sprache sicher beherrschen und zur Formulierung verständlicher, sachgerechter Texte besonders befähigt sein. Sehr gute Englischkenntnisse sind erforderlich, weitere Sprachkenntnisse erwünscht.

Zeitrahmen: Für die Erstellung der in der Regel je 100 Zusammenfassungen pro Auftrag ist ein Zeitrahmen von einem halben Jahr nach Abschluß des Vertrages vorgesehen.

Vergütung: Die Vergütung erfolgt pro Stück nach Angebot des Werkvertragspartners. Die Zahlung erfolgt nach Prüfung der eingegangenen Zusammenfassungen.

Angebote erbitten wir bis zum 30. September 2015 unter Angabe des Betreffs
“Zusammenfassungen für BMS” an bms@sim.spk-berlin.de oder brieflich an den Direktor des Staatlichen Instituts für Musikforschung – Preußischer Kulturbesitz, Tiergartenstraße 1, 10785 Berlin.
Nähere Auskünfte erhalten Sie über bms@sim.spk-berlin.de.

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Prinzip Resterampe? Anmerkungen zur Open Access-Strategie der Community


Zweifelsohne ist die Rolle der klassischen, der ortsgebundenen Bibliothek im internationalen Wissenschaftssystem nicht mehr eindeutig bestimmt und nicht mehr primär über den Bestand zu rechtfertigen. Digitalisierte und frei verfügbare Medien sind nun mal unmittelbar mit ihrer Präsenz im Netz ortsunabhängig.

Die DFG hat diesem Paradigmenwechsel mit der Neueinrichtung der Fachinformationsdienste Rechnung getragen. Sie fördert nicht mehr den konventionell vorsorgenden und umfassenden Bestandsaufbau, sondern vorzugsweise den Erwerb von E-only sowie digitaler Medien resp. Forschungsdaten generell und den Aufbau von Forschungsinfrastruktur. Konkret bedeutet dieser Auftrag nichts anderes als die Subventionierung des Aufbaus und Betriebs einer Virtuellen Bibliothek. Im Fach Musikwissenschaft ist dies die ViFaMusik.

In ihrer komplexen Struktur als Portal, Rechercheinstrument, Katalog und Bibliographie, als Kommunikations- und Informationsplattform, als Medien- und Datenspeicher löst diese virtuelle Einrichtung somit die klassische Bibliothek im Rahmen des FID-Auftrages in voller Funktion ab.

Eine Bibliothek betritt der Forschende vorzugsweise der dort gelagerten und bereit gestellten Medien wegen, die für seine aktuellen Interessen relevant sind. Die wissenschaftliche Bedeutung einer (noch nicht digitalisiert bereit gestellten) Sammlung ist deshalb relational zur Bedeutung der Bibliothek als Forschungsinfrastruktur. Die Verfügbarkeit von Nachweisinstrumenten und der Kommunikationsfaktor sind nachgeordnete Qualitäten.

Schauen wir uns das Portfolio der ViFaMusik im Vergleich zu den Aufgaben einer analogen Bibliothek mit ihren klassischen Aufgaben an:

  1. Dem Aufgabenfeld „Bestand“ entspricht in der digitalen Bibliothekswelt das Harvesting, Hosten, Langzeitsichern und Bereitstellen von Forschungsdaten bzw. digitalem Content.
  2. Die Nachweisinstrumente finden sich im Metadatenpool der ViFa repräsentiert wieder (etwa im „Europäischen Musikkatalog“, der BMS, der EZB)
  3. Im kommunikativen Segment (Lernort, Forschungsaustausch) finden wir Themenportale, Informationen über Experten und Institutionen, Veranstaltungskalender usw.

Tatsächlich gibt es zur „analogen“ Bibliothek hinsichtlich des Aufgabenspektrums keine erkennbare Differenz. Die ViFaMusik ist somit in der Lage, diese Aufgaben als verlässlicher Hort evaluierter Fachinformation vollwertig in der digitalen Welt der Informationsvermittlung wahrzunehmen.

Doch die wichtigste Komponente, die einer bibliothekarischen Institution erst Bedeutung und Reputation verschafft, nämlich Bestandsaufbau und Bereitstellen forschungsrelevanten Contents mit aktuellem Bezug, bleibt der ViFaMusik bislang verwehrt: Premiumpublikationen wie z.B. Dissertationen als die aktuellsten Forschungsveröffentlichungen, Zeitschriftenbeiträge und ebenso Kongress- und Hochschulschriften werden nach wie vor in klassischen Print-Verlagen oder jetzt neuerdings bei Schott-Campus (http://schott-campus.com/) publiziert. Und die Vereinszeitschrift „Die Musikforschung“ ist wie eh und je ein Printmedium.

Als Content für die ViFaMusik wird seitens der FID-Vertreter der Community alternativ vorgeschlagen: Anreicherung um Digitalisate schwer zugänglicher, oder besonders “gewichtiger” Arbeiten aus der Geschichte der Musikwissenschaft. Bereits gedruckt Vorhandenes nun auch digital verfügbar zu machen ist gewiss ein wünschenswertes Ansinnen. Aktueller, forschungsrelevanter Content sieht jedoch anders aus. Natürlich bauen wir (die ViFa-Verantwortlichen der BSB) einen E-Medienpool auf, indem wir Lizenzen erwerben, also teuer dafür bezahlen, und auch das Schott-Campus-Angebot werden wir in unseren Recherchesystemen nachweisen.

Es gibt aber einen gravierenden Unterschied: Was originär beispielsweise mit Unterstützung des Zentrums für Elektronisches Publizieren (https://www.bsb-muenchen.de/zep.html/) auf dem ViFa-Dokumentenserver bereitgestellt wird, erzeugt Eigentum, mithin bedeutungsrelevanten Content. Wer dann recherchiert, recherchiert und nutzt das publizierte Medium über diese Plattform. Wenn ich anderswo erschienene E-Medien erwerbe und über die Bibliothekskataloge oder ViFa bereit stelle (zumal open access-Angebote), dann ist die ViFa letztlich nicht mehr als ein Nachweis- und Bereitstellungsinstrument unter vielen – in Konkurrenz zu den Verlagsseiten oder den Suchmaschinen im Internet.

Solange freilich die Pforten ihrer höchstrangierten Journale von den Forschenden regelrecht eingerannt werden, solange haben die Verlage die Möglichkeit, die Einnahmen, die ihnen nun am Ende der Produktionskette wegfallen, gleich am Anfang vom Autor oder einem Drittmittelgeber einzustreichen (Lohmeier/ Mittelbach, in: ZfBB, 4-5/2014). De Gruyters „publoris“ und Schott „Campus“ antizipieren mit ihrem Geschäftsmodell des open access letztlich nur die absehbare Entwicklung, dass staatliche Zuschüsse bald nicht mehr für den Druck, sondern nur noch für die digitale Aufbereitung von Textdateien fließen werden. Und dass das keine Utopie ist, zeigt das Beispiel Schweiz: Dort gibt es bereits seit April 2014 ein entsprechendes Förderreglement des Nationalfonds.

Das Bekenntnis zu Open access nach dem Motto „open data means better science“ bedeutet zwar letztlich ein Bekenntnis zu einem liberalisierten Forschungsinformationssystem im Gegensatz zu einem dem Kommerz verpflichteten, deliberalisierten der herkömmlichen Verlage. Die Beispiele De Gruyter und Schott aber machen deutlich: In der Praxis motiviert immer noch der Herdentrieb.

Eine Anmerkung zum Argument der scheinbar notwendigen Reputation: Unbestritten ist Schott ein Label mit Weltgeltung. Nun ist es aber mit der Reputation so, dass dies kein naturgesetzlich absoluter, sondern ein geliehener Vertrauenswert ist, der auch zu entziehen ist. Wenn wir ausschließlich das, was kommerziell nicht unterzubringen ist, was digital zweitverwertet oder gar marginal ist („Spitzenversorgung“ im euphemistischen DFG-Jargon), wenn wir also ausschließlich solches Informationsgut in den ViFa-Container aus- bzw. ablagern: Dann zementieren wir ein fatales Ranking, das in Wirklichkeit ausschließlich durch unsere Akzeptanz und unser affirmatives Handeln existiert.

Nehmen wir dagegen die ViFaMusik gemäß den DFG-Förderrichtlinien ernst, dann macht ein Paralleluniversum mit gleichen oder vergleichbaren, konkurrierenden oder separaten prestigeträchtigen Angeboten durch die Gesellschaft für Musikforschung (als führende Fachvereinigungen und Partner der ViFaMusik beispielhaft genannt) auf der Vereins-Homepage oder auf kommerziellen Publikationsportalen nicht nur keinen Sinn, sondern ist geradezu kontraproduktiv.

Die Grundfrage, möglicherweise existenzielle Frage an die ViFaMusik lautet deshalb: Soll die Virtuelle Fachbibliothek weiterhin vorzugsweise „nur“ als technische Spielwiese genutzt werden, als Experimentierfeld für vereinzelt realisierte innovative Präsentationsformen wie das HmT und betrieben als Abladeplatz für Sonstiges und Vermischtes – Prinzip Resterampe -, ausgestattet mit „social media“-Features? Oder soll die ViFaMusik Ihrem umfassenden Anspruch als zentrales Fachinformationssystem für die Musikwissenschaft mit forschungsrelevantem Content gerecht werden? Um diesen Anspruch zu erfüllen, müsste dann freilich eine Integration der Online-Aktivitäten der Community erfolgen, und nicht nur eine Parallelisierung, und es müsste vor allem endlich zu einem Content mit bedeutenden aktuellen Publikationen in der ViFaMusik führen in konsequenter Umsetzung der „Golden“ oder „Green Road to Open Access“.

Dr. Reiner Nägele
Leiter der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek

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Musikmuseen in Deutschland – Deutsches Musikinformations-zentrum beleuchtet Vielfalt und Dichte der Museumslandschaft


In Deutschland existieren über 130 Musikmuseen, die sich der Sammlung, Bewahrung und Vermittlung von Nachlässen bedeutender Musikerpersönlichkeiten, der Erhaltung und Präsentation von Zeugnissen des Musikinstrumentenbaus oder anderen Aspekten des Musiklebens widmen. Träger dieser Museen sind Bund, Länder, Städte und Gemeinden, Stiftungen oder in einigen Fällen auch Vereine und Privatpersonen. Das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ), eine Einrichtung des Deutschen Musikrats, hat nun mit einem neuen Schwerpunktangebot die außergewöhnliche Vielfalt und Dichte der Museumslandschaft in Deutschland beleuchtet.

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Topografische Darstellung der Musikmuseen in Deutschland,
© Deutscher Musikrat gGmbH / MIZ

Musikinteressierte aus der ganzen Welt pilgern Jahr für Jahr zu den Wirkungsstätten großer Komponistinnen und Komponisten. Allein rund 50 Musikermuseen und -gedenkstätten sind heute der Öffentlichkeit zugänglich und halten die Erinnerung an so bedeutende und stilbildende Musiker wie Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms oder Richard Wagner lebendig. Oft befinden sich die Museen in den Geburts- oder Sterbehäusern und zeigen persönliches Mobiliar oder Möbel der Zeit sowie Gemälde, Büsten, Erinnerungsstücke, Autographe, Briefe und andere Originaldokumente, die das Leben und Schaffen der Musiker und ihr Umfeld dokumentieren.

In einigen Fällen sind den Musikermuseen auch spezialisierte Archive und Forschungsinstitute angegliedert, die Handschriften und andere Quellen sammeln und wissenschaftlich erschließen. Zu diesem Typus gehören vor allem Häuser mit internationaler Ausstrahlung wie das Beethoven-Haus in Bonn, das Bach-Archiv Leipzig, das Händel-Haus Halle, das Robert-Schumann-Haus Zwickau, das Richard-Strauss-Institut in Garmisch oder das Richard-Wagner-Museum mit Nationalarchiv und Forschungsstätte in Bayreuth. Darüber hinaus existieren weitere, zum Teil kleinere Häuser, die jedoch über nicht minder bedeutende Sammlungen verfügen.

Sind die Musikermuseen in der Regel eigenständig organisiert, so firmieren die meisten Musikinstrumentensammlungen als Abteilungen größerer Institutionen, seien dies Landes-, Regional- oder Stadtmuseen, Museen mit kulturhistorischem Schwerpunkt oder auch Universitäten. Die Musikinstrumentenmuseen lassen sich nach Sammlungsschwerpunkten unterscheiden. So verfolgen einige einen umfassenderen Ansatz und zeigen das breite Spektrum von Musikinstrumenten der europäischen und teilweise auch außereuropäischen Musik. Andere Museen befassen sich mit bestimmten Musikinstrumentengattungen, wie Tasteninstrumente, Blechblasinstrumente oder mechanische Musikinstrumente, und betrachten ihre technische Entwicklung, ihre Fertigung und Verwendung. Zu den „Global Playern” unter den Musikinstrumenten-Museen weltweit zählen das Musikinstrumenten-Museum des Staatlichen Instituts für Musikforschung in Berlin ebenso wie das Grassi Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig und die Sammlung historischer Musikinstrumente im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Andere, kleinere Sammlungen, wie die Stiftung Historischer Tasteninstrumente der Sammlung Neumeyer-Junghanns-Tracey im Schloss Bad Krozingen, haben überregionale Bedeutung wegen der Exklusivität ihrer Objekte.

Mit einer neuen topografischen Karte liefert das MIZ nun einen grundlegenden Überblick über die Museumslandschaft mit ihren spezifischen Merkmalen. Die Darstellungen sind Teil eines neuen Schwerpunktangebots des MIZ, das Strukturen und Entwicklungen der Museumslandschaft in Deutschland vermittelt und darüber hinaus die einzelnen Häuser mit ihren Aufgabenschwerpunkten und Sammlungsbeständen vorstellt. Berücksichtigt werden neben Komponistenhäusern und Musikinstrumentensammlungen auch Museen für Rock- und Popmusik, Museen mit Schwerpunkt Musikvermittlung oder regionale Musikgeschichte. In einem Fachbeitrag beschreibt die Museumsexpertin Heike Fricke aktuelle Entwicklungen. Betrachtet werden dabei Digitalisierungs- und Langzeitarchivierungsprojekte der Museen ebenso wie neue Anforderungen an Ausstellungskonzeptionen unter dem Stichwort zeitgemäßer Vermittlungsarbeit oder Herausforderungen in der internationalen Zusammenarbeit der Museen.

Abrufbar ist das neue Schwerpunktangebot des MIZ unter:
http://www.miz.org/fokus_musikmuseen.html

Über das MIZ:
Unter dem Dach des Deutschen Musikrats erfasst und dokumentiert das Deutsche Musikinformationszentrum (MIZ) Strukturen und Entwicklungen der Musikkultur. Das Spektrum reicht dabei von der musikalischen Bildung und Ausbildung über das Laienmusizieren, die Musikförderung und die professionelle Musikausübung bis zu den Medien und der Musikwirtschaft. Gefördert wird das MIZ durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Kulturstiftung der Länder, die Stadt Bonn sowie von privater Seite durch die GEMA und die GVL.

Pressekontakt:
Margot Wallscheid, Projektleitung Deutsches Musikinformationszentrum
Stephan Schulmeistrat, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Deutscher Musikrat gGmbH * Weberstr. 59 * 53113 Bonn
Tel.: 0228 / 2091-180 * Fax: 0228 / 2091-280 * Mail: info@miz.org

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Open Access und institutionelle Zeitschriften


Die folgenden Gedanken sind die Zusammenfassung meiner Beiträge zu einer Diskussion der Sitzung der Fachgruppe Nachwuchsperspektiven der Gesellschaft für Musikforschung in Berlin am 21.02.2015.

Nicht wenige wissenschaftliche Interessensverbände und Vereine verfügen über ihr eigenes Publikationsorgan. Das gilt nicht nur für den wichtigsten musikwissenschaftlichen Verband, die Gesellschaft für Musikforschung, sondern auch für die Gesellschaft für Musiktheorie oder (man verzeihe mir meinen lokalen Fokus) die Gesellschaft für Bayerische Musikgeschichte und viele mehr. Die meisten solchen Zeitschriften teilen dabei eine Eigenschaft: Die Finanzierung der Beiträge, die in den einzelnen Heften erscheinen, übernimmt nicht etwa die herausgebende Institution, sondern es ist die öffentliche Hand, die die ökonomische Last trägt. Autoren sind in der Regel MitarbeiterInnen an Universitäten und öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen, die im Rahmen dieser Anstellung erarbeiteten Forschungsergebnisse unentgeltlich zur Veröffentlichung zur Verfügung stellen. Auch die HerausgeberInnen und MitarbeiterInnen können Ihre Aufgaben häufig nur durch die finanzielle Absicherung einer festen Stelle oder einer Projektfinanzierung bewältigen, die “vom Steuerzahler” und nicht von den Verbänden finanziert werden. Grundsätzlich sind diese Mechanismen nicht abzulehnen. Forschung gehört zu den Aufgaben von wissenschaftlichem Personal, und Publikationsmöglichkeiten mit hohen Qualitätsstandards werden dringend benötigt. Das Problem liegt in der Zugänglichkeit der Forschungsergebnisse. Zeitschriften wie etwa die Musikforschung werden in der Regel nur an die Mitglieder des Trägervereins ausgegeben, schließlich – so eine weit verbreitete Haltung – zahlen diese ja auch den Mitgliedsbeitrag. Dass der Anteil dieses Mitgliedsbeitrags an den Gesamtkosten der in den Artikeln enthaltenen Forschung verschwindend gering ist und – überspitzt formuliert – gerade einmal für den Druck und das Porto aufkommen kann, wird meiner Ansicht nach zu wenig bedacht. Hat die Öffentlichkeit nicht einen Anspruch auf den unmittelbaren und freien Zugang zu staatlich finanzierter Forschung? Insbesondere in einer Zeit, in der digitales Veröffentlichen in anderen Fächern bereits zur Normalität geworden ist, wird klar, dass auch musikwissenschaftliche Vereine und Verbände sich vor der Diskussion, ihre Zeitschriften open access – das heißt für jedermann zugänglich – erscheinen zu lassen, nicht mehr verstecken können. Für die Musikwissenschaft als akademische Disziplin bietet das digitale Publizieren nicht nur eine Chance, die eigene Sichtbarkeit im Kontext geisteswissenschaftlicher Fächer zu erhöhen, sondern auch die Möglichkeit, neue multimediale Publikationsformen zu erproben und zu entwickeln. Mit gutem Beispiel voran geht hier die bereits erwähnte Gesellschaft für Musiktheorie, deren Verbandsorgan sowohl open access als auch in gedruckter Form beim Olms Verlag erscheint.

Es ist dies freilich nur ein Teilproblem einer großen Diskussion um das Thema open access und um die Forderung nach freiem Zugang zu öffentlich finanzierter Forschung. Den großen Fachverbänden im Bereich der Musikwissenschaft/en kommt in diesem Bereich sicherlich eine große Verantwortung zu. Wer sonst könnte das Thema digitale Musikwissenschaft besser vorantreiben?

P.S.: Seit 2014 ist bekannt, dass zukünftig auch das wichtigste deutschsprachige Lexikon im Fach Musikwissenschaft MGG online erscheinen soll. Wie die beiden Print-Auflagen wird MGG-Online im Bärenreiter Verlag erscheinen. Open access wird hier allem Anschein nach keine Rolle spielen, obwohl dies aus meiner Sicht sehr wünschenswert wäre. Der Großteil der Forschung, die in diesem Lexikon zusammengefasst wird, wurde und wird öffentlich finanziert, und auch die AutorInnen der Artikel sind in den allermeisten Fällen Beschäftigte an öffentlichen Einrichtungen. Dass die freie Verfügbarkeit wissenschaftlicher Daten im Netz äußerst positive Auswirkungen haben kann, zeigt das Beispiel Deutsche Biographie. Das Portal erfreut sich größter Beliebtheit und hat eine ausgesprochen große Breitenwirksamkeit. Kaum ein Wikipedia-Artikel erscheint ohne einen Verweis auf den entsprechenden Artikel im wissenschaftlichen Angebot. Man könnte also fragen: Gäbe es ein besseres Mittel als ein frei zugängliches MGG, um Aufmerksamkeit für das kleine Fach Musikwissenschaft zu generieren?

Die Fachgruppe Nachwuchsperspektiven der Gesellschaft für Musikforschung veranstaltet in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Ralf Martin Jäger (Universität Münster) im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung in Halle am 30.9.2015 eine Podiumsdiskussion zum Thema Digital Musicology. Geleitet wird das Podium von Sebastian Bolz, Ralf Martin Jäger und Michaela Kaufmann. Die Veranstaltung will ganz grundsätzlich nach den (digitalen) Räumen fragen, in denen musikwissenschaftliche Forschung in Zukunft stattfinden wird. Nähere Informationen zur Veranstaltung werden in Kürze auf der Website der Fachgruppe Nachwuchsperspektiven veröffentlicht.

Moritz Kelber

http://www.kelber.musikwissenschaft-augsburg.de

moritz.kelber@phil.uni-augsburg.de

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Digitalisierung der Zeitschrift “Die Grenzboten”


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Das Portal “Digitale Sammlungen” der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen bietet die vollständige digitale Version der Zeitschrift “Die Grenzboten”. Die digitalen „Grenzboten“ sind online frei zugänglich unter http://brema.suub.uni-bremen.de/grenzboten. Die Zeitschrift beinhaltet zahlreiche Einträge zur musikwissenschaftlich und –historisch relevanten Beiträgen und soll zeitnah in der Virtuellen Fachbibliothek Musikwissenschaften verlinkt werden.

Die zwischen 1841 und 1922 wöchentlich, zeitweise zweiwöchentlich erschienene nationalliberale Zeitschrift “Die Grenzboten” hatte das Ziel, die gesamte bürgerliche Lebenswelt abzubilden. Herausgegeben zunächst von ihrem Gründer Ignaz Kuranda, wechselte die Herausgeberschaft im Laufe der Zeit. Ab 1848 waren Gustav Freytag und Julian Schmidt ihre Herausgeber, Johannes Grunow und Gustav Wustmann sind für die spätere Zeit zu erwähnen.

Ab 1871 gibt der Untertitel über die Inhalte zutreffend Auskunft: “Zeitschrift für Politik, Literatur und Kunst”. Beiträge aus Politik und Geschichte über Wirtschaft bis hin zu schöngeistigen Themen aus Kunst, Musik und Literatur zeigen die immense Themenvielfalt der Zeitschrift, die das bürgerliche Leben im langen 19. Jahrhundert durch eine politisch und kulturell wechselhafte Zeit begleitete.

Als eines der bedeutendsten Periodika des Jahrhunderts sind die “Grenzboten” eine herausragende Quelle für Geschichtswissenschaft, Germanistik, Kulturwissenschaften (bspw. Literatur-, Kunstgeschichte), Pressegeschichte und weitere Fachwissenschaften. Auch zahlreiche Beiträge zur Musikwissenschaft und –geschichte sind enthalten. Einige Beispiele: Gleich im Ersten Jahrgang 1841 findet sich ein Beitrag mit dem Titel „Musikalische Charakteristiken: Karl Maria von Weber“, im darauffolgenden Band findet sich unter der Überschrift „Musikalischer Salon“ die Rezension einer Aufführung des „Stabat Mater“ von Rossini. Jahre später wird über die „Entstehung des Freischütztextes“ (Gustav Wurstmann) berichtet oder über das Leben Mozarts sinniert. Zahlreiche Rezensionen sind vorhanden, so wird nahezu jede Oper Wagners besprochen. Die „Grenzboten“ wollten einerseits das aktuelle Leben in der Musik wiedergeben. Andererseits zeigte die Zeitschrift so ihren Anspruch, auch über das Tagesgeschehen hinaus die Musikwelt zu reflektieren und ihrem bürgerlichen Publikum nahezubringen.

Die Zeitschrift „Die Grenzboten“ mit einem Gesamtvolumen von ca. 270 Bänden und ca. 187.000 Seiten wurde zwischen November 2011 und April 2013 in der SuUB Bremen im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts digitalisiert und in Struktur und Volltext erschlossen. Im Rahmen einer umfangreichen Bestandslückenergänzung wurden Lücken in den Beständen bis hin zu fehlenden Seiten geschlossen, so dass die Grenzboten jetzt in Bremen so vollständig wie in keiner anderen Bibliothek in digitaler Form vorliegen. Die Zeitschrift ist komplett im Volltext erschlossen, nicht nur Titel- und Strukturdaten, sondern der gesamte Text ist somit durchsuchbar. – Weitere Projektinformationen finden Sie unter http://www.suub.uni-bremen.de/ueber-uns/projekte/grenzboten/.

Kontakt: Dr. Maria Hermes, hermes@suub.uni-bremen.de, 0421/21859418

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Die Musikstadt Stuttgart lädt zur Jahrestagung der Musikbibliotheken und Musikarchive ein


Zur Jahrestagung der Internationalen Vereinigung der Musikbibliotheken, Musikarchive und Musikdokumentationszentren (AIBM), Gruppe Deutschland laden in diesem Jahr die Stadtbibliothek Stuttgart, die Württembergische Landesbibliothek und die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart vom 22. bis zum 25. September 2015 in die Baden-Württembergische Landeshauptstadt ein.

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Die Stadtbibliothek Stuttgart – Bibliothek des Jahres 2013, vom Deutschen Bibliotheksverband (dbv) und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius verliehen – bietet in diesem Jahr einen architektonisch attraktiven Tagungsort. Seit 2011 residiert sie im Neubau am Mailänder Platz. Innovative Einrichtungs- und Bibliothekskonzepte wurden hier umgesetzt und regen seitdem die Diskussion über die Rolle der Bibliothek in der heutigen Zeit an. Führungen durch das Gebäude werden die Gelegenheit bieten, die Stadtbibliothek vom Keller bis zur Dachterrasse kennen zu lernen und sich intensiv darüber auszutauschen.

Das vielfältige Tagungsprogramm für die schätzungsweise 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den deutschsprachigen Ländern schlägt einen thematischen Bogen vom Lokalen zum Globalen. Schlaglichter aus dem Stuttgarter Musikleben (z.B. zur Stuttgarter Oper oder SWRMusic) stehen ebenso auf dem Programm wie die Arbeit des Internationalen Quellenlexikons der Musik RISM und die Anpassung der Katalogisierung in Bibliotheken an das internationale Standardwerk RDA. Das digitale Informationszeitalter in Musikbibliotheken wird thematisiert – MusikApps, Digitalisierungsprojekte, Fachinformationsdienst, Webarchivierung. Der Fokus der Öffentlichen Musikbibliotheken richtet sich auch vermehrt auf Zielgruppen, die bisher eher im Hintergrund standen. Inklusion ist hier ein aktuelles Thema, aber auch Angebote zum aktiven Musizieren, z.B. mit Senioren.

Schon fast traditionell widmet sich ein Themenblock der Einführung des neuen Erschließungsstandards RDA. Insbesondere die musikspezifischen Anwendungsregeln stehen hier im Mittelpunkt der Fachdiskussion. Als Grundlage für das Verständnis von RDA wird eine Schulung zu FRBR angeboten. In einer weiteren Schulung können sich die Fachkolleginnen und -kollegen auf einen aktuellen Stand zum Thema Urheberrecht in der Musikbibliothek bringen lassen.

Das ausführliche Tagungsprogramm ist auf der folgenden Webseite zu finden:

http://www.aibm.info/tagungen/2015-stuttgart

Zur Vermittlung von Interviewwünschen und Gesprächen wenden Sie sich bitte an die Sekretärin von AIBM Deutschland: Dr. Silvia Uhlemann (Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, email: sekretaerin@aibm.info).

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