Digitale Musikwissenschaft – Neue Fachgruppe der Gesellschaft für Musikforschung eingerichtet

Nicht erst der XVI. Internationale Kongress der Gesellschaft für Musikforschung (GfM) im September 2016 in Mainz hat gezeigt, wie weitreichend die Verwendung digitaler Medien inzwischen im Fach Musikwissenschaft fortgeschritten und mit musikwissenschaftlichen Fragestellungen verwoben ist. Dies betrifft Arbeits- und Publikationsmöglichkeiten innerhalb der Disziplin ebenso wie Forschungsansätze und methodische Überlegungen, die einerseits Ursache und andererseits Folge vielfältiger, mit der Digitalität zusammenhängender Veränderungen sind. Bereits im Herbst 2015 gab es erste Bestrebungen, mit der ›Initiative Digitale Musikwissenschaft‹ für diesen Bereich ein spezialisiertes Forum innerhalb der GfM zu schaffen, das der Diskussion einen adäquaten Raum im Fach gibt und als Interessenvertretung wirkt. Im Rahmen ihrer diesjährigen Jahrestagung in Kassel bestätigte die Mitgliederversammlung der GfM die Überführung dieser Initiative in eine Fachgruppe. Mit der Einrichtung der Fachgruppe ›Digitale Musikwissenschaft‹ wird u. a. auch auf eine Tendenz reagiert, die sich im Laufe der vergangenen Jahre bereits abzeichnete, nämlich: Digitalität und digitale Anliegen der Musikwissenschaft beinahe überwiegend in anderen Kontexten (etwa dem Verband DHd – ›Digital Humanities im deutschsprachigen Raum‹) zu verhandeln. Mit der Fachgruppe steht nun innerhalb der GfM ein sachkundiger Ansprechpartner für externe DH-Verbände zur Verfügung, was für die Kommunikation neuer Forschungsansätze und Fördermöglichkeiten von Bedeutung ist.
Die neue GfM-Fachgruppe ›Digitale Musikwissenschaft‹ zielt darauf ab, den in regem Austausch stehenden interessierten Beteiligten eine gemeinsame Plattform zu geben und gleichzeitig auch für die GfM zum kompetenten Ansprechpartner in den eigenen Reihen zu werden. Aufgrund mangelnder Institutionalisierung derzeit auftretende infrastrukturelle Schwierigkeiten können dadurch in Zukunft behoben werden, was wiederum die gemeinsame Zusammenarbeit vereinfachen sollte.
Inhaltlich stehen, wie schon im Rahmen eines Treffens der ›Initiative‹ auf der Tagung des DHd-Verbandes Anfang März 2016 in Leipzig herausgearbeitet werden konnte, mehrere Komplexe im Zentrum des allgemeinen Interesses der Beteiligten. Zu nennen wären neben einer Reflexion von Konsequenzen ›der‹ Digitalisierung in all ihren Facetten für die Musikwissenschaft vor allem der große Bereich der Nachhaltigkeit digitaler Forschungsarbeiten und die Datenstabilität sowie die Langzeitverfügbarkeit von Daten sowie Präsentationsformen. Um eine diskursive Anschlussfähigkeit und Zitierbarkeit bzw. Referenzierbarkeit zu gewährleisten, ist die Einigung auf eine Einheitlichkeit von Formaten innerhalb einer Disziplin von essentieller Bedeutung. Die Fachgruppe ›Digitale Musikwissenschaft‹ könnte hier als Ansprechpartner und als zentrale Gesprächsplattform für die Artikulation von Zielen und Bedürfnissen des Fachs und als ›Think Tank‹ für die Erarbeitung gemeinsamer, tragfähiger Lösungen dienen.
Das Spektrum der in der Fachgruppe repräsentierten musikwissenschaftlichen Themen ist nicht beschränkt (etwa auf digitale Musikedition, computergestützte Analyse o. Ä.), sondern im Gegenteil bewusst offen. Insofern als gerade kein bestimmtes musikwissenschaftliches Arbeitsfeld, sondern übergreifende Fragen der mit der Digitalisierung verbundenen methodischen und forschungspolitischen Implikationen Gegenstand der Fachgruppenarbeit sein werden, ergänzt die Fachgruppe ›Digitale Musikwissenschaft‹ die bereits bestehenden GfM-Fachgruppen in idealer Weise: Es erscheint notwendig und vielversprechend, Diskussionen rund um die Digitalität gerade nicht (bzw. nicht ausschließlich) in separaten Gegenstandsbereichen, sondern vor allem auch im fachweiten und gegenstandsübergreifenden Austausch zu entwickeln. Explizit geht es auch um einen Dialog beispielsweise zwischen unabhängigen Musikwissenschaftler_innen und Vertreter_innen von Hochschulen und Gedächtnisinstitutionen. Es handelt sich bei dieser Fachgruppe um einen genuin neuen Ansatz innerhalb der GfM.
Die seit Ende 2015 existierende Mailingliste der damaligen ›Initiative Digitale Musikwissenschaft‹ umfasst bereits mehr als 110 Teilnehmer_innen. Alle interessierten Musikwissenschaftler_innen sind sehr herzlich eingeladen, sich in der Mailingliste zu registrieren (subscribe: https://www.listserv.dfn.de/sympa/subscribe/digmus) und an der Arbeit der Fachgruppe mitzuwirken.

Jun.-Prof. Dr. Stefanie Acquavella-Rauch, Sprecherin der Initiative Digitale Musikwissenschaft

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